Oberlech ist ein Ortsteil von Lech. In einer südlichen Hanglage erstrecken sich Hotels, Restaurants und Pensionen auf 1.650 Höhenmetern. Im Sommer ist dieser Ortsteil durch eine Privatstraße erreichbar, während der Monate Dezember bis April ist dieses Gebiet für den Autoverkehr gesperrt und wird durch die Seilbahn mit dem Ortszentrum verbunden.
Die Versorung der Häuser und Betriebe mit Lebensmitteln, Betriebsmaterialien aber auch der Transport des Gästegepäcks erfolgte bis 1995 mit Überschneefahrzeugen. Bis zu 26 solcher Fahrzeuge (Ski Doos, Raupenfahrzeuge, Pistenmaschinen) waren täglich im Einsatz, was zu einer großen Verkehrs- und Umweltbelastung führte. Die Oberlecher haben sich 1995 in Eigeninitiative entschlossen, ein unterirdisches Tunnelsystem zur Ver- und Entsorgung des Burgplateaus zu errichten. Die erste Bauetappe erfolgte im Frühsommer 1995 mit der Erstellung der Umschlaghallen bei der Bergbahn und dem Einbau eines Lifts. Im Herbst 1995 wurde der Hauptstrang errichtet, im Dezember 1995 erfolgte die Versorgung erstmals unterirdisch. Die restlichen Tunnelarbeiten sowie die Umschlaghalle wurden im Herbst 1996 fertiggestellt. Die Fertigstellung von der Umkehrhalle und des Zuffahrtstunnel erfolgte im Sommer 1997.
Der Haupttunnel hat eine Länge von 550 Metern, die Anschlüsse zu den Hotels bzw. den Häusern haben eine Länge von 200 Metern und sind mit 10 Schleusen sowie 8 Notausgängen versehen. Der Zufahrtstunnel hat eine Länge von 300 Metern. Die Umschlaghallen erstrecken sich über eine Gesamtfläche von über 3.200 m².
Die Kosten für die gesamte unterirdische Erschließung betrugen ca. 7 Millionen Euro und wurden zum Großteil von den Oberlecher Betrieben finanziert. Der Versorgungstunnel und die Umkehrhalle in Kostenhöhe von 1,5 Millionen Euro wurde von der Gemeinde Lech finanziert. Das Tunnelsystem von Oberlech ist in seiner Bauart einzigartig und in keinem anderen Tourismusort Europas zu finden. Es ist eines der innovativsten Projekte, welches in Eigeninitiative durchgeführt wurde. Das Burgplateau in Oberlech ist im Winter gänzlich verkehrsfrei und somit ein Urlaubsparadies mitten in der Natur ohne Autos, Versorgungsfahrzeuge und Abgase.
Im Wald wächst Energie. Vor 200 Jahren war das Holz unser einziger Brennstoff. Die globalen Klimaprobleme lassen die heimischen, erneuerbaren Energieträger eine Renaissance erleben. Moderne Feuerungsanlagen verbinden Energieeffizienz mit Komfort und bringen atmosphärische Wärme in den Wohnraum.
Um die wertvolle Energie auch wirklich umweltschonend in die Hotels, Pensionen und Privathäuser zu bringen, bedient sich das Versorgungskonzept des bereits ausgebauten Tunnelsystems, an das die meisten Häuser Oberlechs angeschlossen sind. Somit bedarf es keiner Eingriffe in die Natur und die Landschaft, sondern der sinnvollen Nutzungsweise vorgeplanter technischer Einrichtungen. Die Wertschöpfung bleibt in der Region. Öl und Gas müssen nicht über tausende Kilometer umweltschädigend und oft -zerstörend (Tankerunfälle, Umweltkatastrophen) transportiert werden.
Die Oberlecher Biomasse-Kraft-Wärmekopplungsanlage auf Basis des Stirling-Motor-Prozesses ist die erste ihrer Art in Österreich und stellt einmal mehr unter Beweis, dass Lech eine weitere Initiative auf dem Gebiet des Natur- und Umweltschutzes gesetzt hat.
Durch den Betrieb der Biomasse KV-Anlage kann der jährliche Schadstoffausstoß der Heizungsanlagen in Oberlech erheblich verringert und damit die örtliche Emissionssituation nachhaltig verbessert werden. Konkret wurden die CO² und SO² Werte um mehr als 100% verringert, da auch Ökostrom produziert wird.